Kirchbau und Glockenturm

Kirche St. Marien Altenhof

In den fünfziger Jahren reifte bei der Bevölkerung von Altenhof der Gedanke, eine Kirche zu bauen. Es wurde ein Kirchenbauverein gegründet, der bis heute existiert. Sie waren es leid, jeden Sonntag zweimal, zur Messfeier und zur Andacht, bei Wind und Wetter, Regen, Eis und Schnee zu Fuß nach Wenden und zurück zu gehen. Selbst als der sonntägliche Kirchgang durch den Einsatz von Bussen erleichtert wurde, war man sich darüber klar, dass dies auf die Dauer auch keine Lösung war. Und umsonst war die Fahrt auch nicht.

Die Loiperei, se es us leid, mi söllen selber en Kiärke bouwen, brachte der damalige Vorsitzende des Kirchenbauvereins Eduard Wurm die Motivation der Bevölkerung auf den Punkt. Fortan wurde bei jeder Familie des Ortes pro Monat DM 10,00 und bei jedem Jugendlichen DM 5,00 gesammelt. Das war zur damaligen Zeit sehr viel Geld. Darüber hinaus verpflichteten sich 120 Familien innerhalb von drei Jahren je 2.000,– DM zusätzlich zu spenden. Etliche zahlten auch noch mehr.

Viele Männer des Ortes verdienten ihren täglichen Lebensunterhalt zu dieser Zeit im benachbarten Siegerland, vielfach im Dreischichtsystem. Zudem mussten viele die Aufgaben in der bis dahin üblichen Nebenerwerbslandwirtschaft erfüllen. Die verbleibende freie Zeit opferten sie in tausenden von Arbeitsstunden dem Bauvorhaben der Kirche.

Nach Erteilung der Baugenehmigung durch den Kreis Olpe am 03. Nov. 1962 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen. Zunächst wurde das 1893 errichtete zweite Schulgebäude in Handarbeit abgerissen, welches nach Schließung im Jahr 1936 überwiegend vermietet war. Danach wurde mit den Ausschachtungsarbeiten, die ebenfalls komplett in Eigenleistung mit Hacke und Schaufel ausgeführt wurden, begonnen. Ebenfalls wurde bei den Zimmermanns Arbeiten kräftig mitgeholfen. Unter fachlicher Anleitung des ortsansässigen Zimmermanns Bernhard Kühn wurden statt der bekannten Dachsparren sogenannte Binder mittels einer Nagelschablone zusammengenagelt, die vom Statiker und zuständigen Prüfingenieur als besser geeignet berechnet worden waren. Hierbei kamen auch die Jugendlichen im Dorf auch zum Arbeitseinsatz. Das Holz wurde übrigens von der Jahnschaft Altenhof gestiftet. Die Arbeiten gingen zügig voran, bis im Dezember 1962 nach einem heftigen Sturm der größte Teil des Dachstuhls in das Kirchenschiff stürzte. Bernhard Kühn hatte in der Nacht noch versucht, die gerichteten Sparren mit Querverbindern zu sichern, was ihm allerdings nicht mehr gelang. Die Freiwilligen liessen sich nicht entmutigen, begannen sofort mit den Aufräumungsarbeiten und leisteten erneut hunderte von Arbeitsstunden. Der nun folgende strenge Winter ließ allerings die erneuten Herstellungsarbeiten des Dachstuhls erst Anfang März 1963 zu.

Im Herbst 1964 wurden die Glocken von Gescher geholt und feierlich in den Ort gebracht. Am 19. Dezember 1964 wurde die Kirche durch den damaligen Pfarrer Hermann Rosin benediziert und am 1. Dezember 1979 durch Weihbischof Paul Nordhues konsekriert. Die Größe dieses Tages wird vielleicht verdeutlicht durch die Tatsache, dass allein die Schulkinder über DM 6.000 für den Tabernakel gespart hatten und insgesamt die Altenhofer Bevölkerung einen Betrag von DM 340.000 gespendet hatte. Nicht zuletzt durch dieses gemeinsame Werk, dem in den darauffolgenden Jahren noch viele weitere Bauvorhaben folgen sollten, ist die Dorfgemeinschaft noch enger zusammengewachsen.

Da die Schutzpatronin von Altenhof die Gottesmutter ist und Altenhof immer eine besondere Beziehung zur Dörnschlade hatte, wurde diese Kirche eine Marienkirche.

Das Patronatsfest ist am 8. September (Mariä Geburt)

Das Buch zum Kirchbau von Friedrich Gerdes kann hier als PDF geladen werden.

Glockenturm in Altenhof

Vermutlich um 1920 wurde an dieser Stelle auf dem alten Schulhof in Altenhof ein Glockenturm mit einer Glocke errichtet. Dies lässt sich zumindest aus der Jahreszahl der Glocke entnehmen, die heute noch existiert.

Dreimal am Tag läutete die Glocke zum Ave. Den Glockendienst übernahm während der gesamten Zeit Richard Wurm ( Hausname: Schniesamers ) und später seine Kinder Theresia und Josefa. Sie wohnten direkt unterhalb des Glockenturmes. Zum Mittagsleuten um zwölf Uhr und beim Abendläuten hielt man inne, ganz gleich, an welchem Ort man sich befand und welche Arbeit man verrichtete; man hielt inne, die Jungen nahmen ihre Mütze ab, die Männer die Hüte und sie beteten „den Engel des Herrn“. Man gedachte der frohen Botschaft, die der Engel Gabriel der Jungfrau Maria gebracht hatte. Den „Engel des Herrn“ beim Mittags und beim Abendläuten zu beten, war bis in die sechziger Jahre für die älteren Menschen eine Selbstverständlichkeit. Man gedachte auf diese Weise täglich des Beginns der Erlösung.

Im Brandfall informierte der Gockenschlag die Einwohner von Altenhof zur Mithilfe der Löscharbeiten. Andachten oder hl. Messen wurden hier nicht gehalten. Dazu war durchschnittlich jede Woche einmal Gottesdienst auf der nahen Dörnschlade. Sonntags besuchten sie den Gottesdienst in der Pfarrkirche in Wenden. Inwieweit die Glocke auch für andere Anlässe wie bspw. Totengedenken genutzt wurde, ist nachweislich nicht überliefert.

Mit der Errichtung einer eigenen Kirche an dieser Stelle und deren Fertigstellung Ende 1963 wurde der Glockenturm letzlich überflüssig und abgerissen.

Weitere größere bauliche Veränderungen an der St. Marien Kirche Altenhof

  • Kirchenbänke (1965)
  • Orgel (1971)
  • Mosaik an der Chorwand (1972)
  • Innenanstrich (1972)
  • Neue Kirchenheizung (1973)
  • Neugestaltung des Chorraumes nach dem 2. Vatikanischen Konzil 1979 Die Ausführungen erfolgten unter weitgehender Verwendung des vorhandenen Materials ( bisheriger großer Altar ) in überwiegender Eigenleistung. Federführend zu nennen ist hier Siegbert Wurm als Steinmetz und Fließenleger. Die Anzahl der Stufen zum Chrorraum wurde erhöht und der neue Altar den Kirchenbesuchern zugwandt.
  • Ernerung der Außenfassade durch Klinker (1985)
  • Dacherneurerung (2015)